Das große Experiment, Teil 2
Ausgabe vom 25.09.2017 von Torsten Ewert
Die Fed hat in der vorigen Woche wie erwartet den Beginn ihrer Bilanzreduzierung verkündet. Damit beginnt der zweite Teil eines einzigartigen Experiments.
Weiter zurück zur Normalität
Im ersten Teil hat die Fed die Zinsen auf null getrieben und ihre Bilanzsumme aufgebläht. Anders als EZB und die Notenbanken der Schweiz und Japans hat sie allerdings keine Negativzinsen eingeführt. Trotzdem hat sie damit ein riesiges volkwirtschaftliches Versuchslabor geschaffen.
Der Theorie nach verhindert eine Geldflut, wie sie die Notenbanken nach der Finanzkrise von 2008 ausgelöst haben, den drohenden Zusammenbruch des Finanzsystems und einen wirtschaftlichen Kollaps. Fast zehn Jahre danach können wir feststellen: Dieser Teil des Experiments hat zumindest geklappt.
Aber nun geht es darum, diese ultra-expansive Geldpolitik wieder zu normalisieren. Mit den Zinserhöhungen ab Ende 2015 hat die Fed damit zwar schon wieder begonnen. Aber die Bilanzreduzierung wird den Märkten die bisherige Liquidität nach und nach entziehen. Und die spannende Frage ist, ob und wie sie das verkraften.
Offene Fragen, offenes Ende
Zum Problem könnte werden, dass sowohl die Aktienmärkte als auch die Konjunktur acht Jahre nach dem Crash wieder in einem sehr reifen Stadium sind. Der Liquiditätsentzug könnte Märkte und Wirtschaft also zur Unzeit, nämlich im nächsten Abschwung erwischen. Das würde die entsprechenden Probleme verschärfen.
Aber auch unabhängig davon sind etliche Fragen offen: Wie verkraften Märkte und Unternehmen nachhaltig steigende Zinsen? Und schafft die Fed überhaupt die Normalisierung oder kommt es zu einer Agonie wie in Japan? Bisher jedenfalls nehmen es die Anleger gelassen. Hoffen wir das es so bleibt und das Experiment gut ausgeht.
Über den Autor: Torsten Ewert ist Chefredakteur der Börsenbriefe Stockstreet Investment Strategie und Aktien-Perlen. Mehr über Torsten Ewert erfahren Sie hier.