Freenet: Geht der Absturz weiter?
Ausgabe vom 14.11.2018 von Torsten Ewert
von Torsten Ewert
An den Märkten macht sich eine gewisse Stabilisierung bemerkbar und die eine oder andere Aktie sendet auch schon erste zarte Umkehrsignale. Nicht so der Mobilfunkanbieter Freenet – die Aktie scheint weiterhin im freien Fall zu sein.
Gab es schon die Selling Climax?
Der folgende längerfristige Chart zeigt nach einem mehr als sechsjährigen starken Aufwärtstrend (grüne Linie), der jedoch durchaus volatil verlief, seit Ende Januar einen steilen Absturz:
Zuletzt fiel der Kurs dabei sogar unter 18 € und damit unter das markante Tief von 2014. Dieser jüngste Rückfall ging mit einem starken Umsatzanstieg einher (siehe unterer Chartteil). Einen ähnlich hohen Umsatz gab es zuvor nur 2014 – bevor die Aktie ihr damaliges Tief markierte! Sahen wir also bei Freenet schon die berühmte Selling Climax, also den letzten Ausverkauf, bevor der Kurs wieder nach oben dreht?
Es bestehen gewisse Chancen, dass es so kommt – zumal nun die starke Unterstützung bei 17,70 € (blaue Linie) den Bären Paroli bieten kann. Dafür sprechen auch ein paar fundamentale Gründe: Der jüngste Absturz wurde entscheidend durch die Schwäche bei der Media-Markt/Saturn-Mutter Ceconomy ausgelöst (drei Gewinnwarnungen in kurzer Folge). Freenet ist an Ceconomy mit 9,2 % beteiligt – der Wert dieses Aktienpakets hat sich seit dem Einstieg um rund 40 % verringert. Das drückt natürlich auch den Freenet-Kurs.
Fundamental unterbewertet, charttechnisch kritisch
Operativ ist das Unternehmen jedoch weiterhin voll in der Spur: 2018 wird das Unternehmen voraussichtlich 1,80 € pro Aktie verdienen; das ergibt bei Kursen unter 18 € ein aktuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 10. Für 2019 wird ein Gewinnanstieg von rund 11 % erwartet. Das würde das KGV unter 9 drücken – ein echtes Bewertungs-Schnäppchen!
Charttechnisch ist die Lage aber natürlich heikel: Die Abwärtstrends sind intakt und steil (siehe rote Linien) und haben sich zuletzt sogar noch beschleunigt (siehe rote gestrichelte Linie); die blaue Unterstützung droht zu brechen. Ein Long-Trade gegen einen solchen starken Trend ist natürlich extrem riskant.
Hinzu kommt, dass – nach einer alten Trader-Regel – das erste Tief selten das letzte ist. Es könnte also noch einmal nach unten gehen, bevor die Trendwende gelingt. Ob dabei wie 2014 ein neues Tief markiert wird und es sogar zu einem klaren Fehlausbruch an der blauen Linie kommt, bleibt abzuwarten. Aber auch 2014 gab es zunächst die vermeintliche Selling Climax und erst danach das entscheidende Tief (siehe grüne und blaue Pfeile).
Fazit: Ein Kaufsignal bei Freenet liegt noch in einiger Ferne, aber nach dem jüngsten Absturz steigt die Chance auf eine Bodenbildung oder sogar eine Umkehr nach oben. Das Potenzial auf der Short-Seite scheint dagegen weitgehend ausgereizt zu sein.
Über den Autor: Torsten Ewert ist Chefredakteur der Börsenbriefe Geldanlage-Brief und Aktien-Perlen. Mehr über Torsten Ewert erfahren Sie hier.