Welche Anleiherendite bringt Aktien zu Fall?
Ausgabe vom 24.08.2026 von Clemens Schmale
Der Aktienmarkt hat den Anstieg von Anleiherenditen bisher souverän gemeistert. Ändert sich dies, geht es meist schnell. Wo liegt das kritische Niveau?
Das kritische Niveau hat sich in den vergangenen Jahren mehrmals verändert. Im Sommer 2022 korrigierte der Markt, als die Rendite 10-jähriger Anleihen 2,7% erreichte. Im Herbst des gleichen Jahres waren es schon 3,3% und 2023 waren es 4%. Jetzt steht die Rendite bei 4,7% und eine nennenswerte Korrektur ist bisher ausgeblieben. Viele sehen das kritische Niveau bei 5%. Die zentrale Frage ist eigentlich: Was muss geschehen, damit das kritische Niveau erreicht wird?
Die Rendite von Anleihen setzt sich aus zwei Komponenten zusammen, dem Realzins und der erwarteten Inflation. Die erwartete Inflation ist die Breakeven Rate und symbolisiert, welche Inflation über die Laufzeit der Anleihe erwartet wird. Bei der 10-Jahresrendite in den USA liegt der Realzins bei 2,35% und die Breakeven Rate ebenfalls bei 2,35%. In Summe ergibt sich die Gesamtrendite von 4,7%.

Der Renditeanstieg der letzten Wochen ist auf einen der beiden Komponenten zurückzuführen. Der Realzins ist angestiegen, die Breakeven Rate tendierte seitwärts. Es waren also nicht Inflationserwartungen, die die Renditen nach oben gedrückt haben. Das ist bemerkenswert. Immerhin ist die Inflation wegen des Irankriegs angestiegen.

Der Realzins bewegt sich derzeit auf einem Niveau, wie er in der Zeit vor der Finanzkrise üblich war. Das garantiert nicht, dass der Realzins nicht weiter steigen wird und nach oben ausbricht. Ein wesentlicher Faktor dafür ist die Kompensation, die Anleger für Anleihen mit langer Laufzeit verlangen. Das Risiko ist für Anleihen mit langer Laufzeit in der Regel höher als für Anleihen mit kurzer Laufzeit. Diese Laufzeitprämie ist angestiegen und erreicht wieder das Niveau während der Finanzkrise.

Sofern die US-Regierung die Staatsfinanzen nicht weiter schwächt, sollte das Risiko für höhere Laufzeitprämien und einen höheren Realzins begrenzt sein. Was die Renditen also nach oben drücken kann, ist die Inflationserwartung. Diese bleibt bisher verankert. Sowohl Kriege als auch die Regierung und die Notenbank selbst arbeiten derzeit dagegen.
Es wird entscheidend sein, wie sich die Fed in den kommenden Wochen positioniert. Relevant ist das Jackson Hole Symposium in dieser Woche und der nächste Zinsentscheid am 16. September. Kann die Fed nicht überzeugen, wird es kritisch. Inflationserwartungen dürften sich dann nach oben bewegen und die Renditen auf das kritische Niveau ziehen.
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