Silberpreis sendet Warnsignal für die Börse
Ausgabe vom 13.07.2026 von Clemens Schmale
Silber macht einen schmerzhaften Bärenmarkt durch. Der Preis liegt inzwischen 50% unter dem Allzeithoch. Das ist auch für die Börse ein Warnsignal.
Wenn der Preis von einem Rohstoff oder einer Aktie schnell steigt, werden viele Argumente gefunden und erfunden, weshalb der Preis gerechtfertigt ist. Den wenigsten kommt in den Sinn, dass es schlichtweg nur Spekulation ist, die da am Werk ist. Es scheint einfacher zu sein, sich an beliebigen Argumenten festzuklammern, als das Offensichtliche zu erkennen. Zugegeben, nicht alle Argumente für einen höheren Silberpreis waren fadenscheinig.
Die Nachfrage nach Silber hat zugenommen. Ob Photovoltaik oder Elektronik, beides ist derzeit gefragt. Silber spielt eine wichtige Rolle. Gleichzeitig steigen die Fördermengen nicht mehr. Es besteht zumindest in der Theorie ein Angebotsdefizit. Und trotzdem steht Silber nun 50% tiefer als zu Jahresbeginn. Einige Anleger überrascht dies. Es ist allerdings einfach nur die logische Konsequenz, wenn eine spekulative Blase platzt.
Fällt der Preis des Rohstoffs, fallen auch die entsprechenden Aktien von Unternehmen, die Silber fördern. Die Kurse verlaufen parallel. Das ist bei Silber so, bei Gold ist es nicht anders und es gilt für jeden anderen Rohstoff auch, ob Öl, Kupfer oder andere Rohstoffe.

Dieser Umstand ist nicht neu. Was neu ist, ist die Bedeutung für die Börse. Die Aktienkurse folgen dem zugrundeliegenden Rohstoffpreis. Ein Rohstoff muss dabei nicht so etwas wie Silber oder Öl sein. Es kann ein beliebiges Gut sein, welches mehr oder weniger austauschbar ist.
Ein solches Gut sind Speicherchips. Erhöhte Nachfrage führt zu Preissteigerungen, die zu höheren Produktionskapazitäten führen, die am Ende dann eine Korrektur auslösen, wenn die Nachfrage nachlässt. Bei Silber und Gold war es nicht anders. Die Nachfrage nach physischen Edelmetallen war hoch, bis sie es eben nicht mehr war.
Betrachtet man Güter wie Speicherchips als Rohstoff, lassen sich parallelen zwischen dem PHLX Semiconductor Index und Silberminenaktien nicht verneinen. Der PHLX Index folgt Silberminen derzeit mit vier Monaten Verzögerung.

Das ist kein Zufall. Der Silberpreis erreichte Ende Januar das Hoch. Die Preise von Speicherchips erreichten ihr Hoch im Mai, also vier Monate später. Im Gegensatz zu Silber kollabiert der Preis von Speicherchips nicht. Er tendiert moderat nach unten. Es signalisiert, dass das Angebotsdefizit weniger dramatisch ist als noch vor wenigen Monaten. Ein Grund ist langsameres Wachstum der Nachfrage. Gleichzeitig wird das Angebot erhöht.
Halbleiteraktien haben eine hohe Gewichtung in den meisten US-Indizes. Bleiben die Parallelen bestehen, dürfte der Aufwärtstrend in den USA kurzfristig stocken.
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