KI: Die Rechnung geht auf
Ausgabe vom 03.07.2026 von Clemens Schmale
Investoren mussten mehrere Jahre auf diesen Moment warten. Die hohen Investitionen von Unternehmen wie Microsoft zahlen sich aus. Die Frage, ob man mit KI Geld verdienen kann, ist geklärt.
Lange Zeit war nicht klar, ob sich die hunderten Milliarden, die Hyperscaler in den Ausbau der KI-Infrastruktur steckten, je auszahlen würden. Das tun sie inzwischen. Der Umsatz steigt schneller als die Abschreibungen. Rechenzentren sind letztendlich nichts anderes, als eine Investition in Anlagen, die eine bestimmte Lebensdauer haben. Über die Lebensdauer des Assets wird dessen Wert abgeschrieben.
Sind die Abschreibungen höher als der Umsatz, der mit dem Asset verdient wird, macht die Investition wenig Sinn. Lange Zeit lag der Umsatz niedriger als die Abschreibung. Seit diesem Jahr hat sich das geändert. Der Umsatz steigt schneller. Inzwischen übersteigt der monatliche Umsatz die Abschreibungen um mehrere Milliarden. Es ist absehbar, dass diese positive Lücke in Zukunft größer wird.

Die Investitionen zahlen sich inzwischen also aus. Trotzdem sind Anleger kaum für Hyperscaler zu begeistern. Das lässt sich anhand der Aktienkursentwicklung von Oracle und Microsoft erkennen. Dabei sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Microsoft hat einen Auftragsbestand von mehr als 600 Mrd. Dollar. Bei Oracle sind es über 550 Mrd. Die vier großen Hyperscaler zusammen kommen auf über zwei Billionen Dollar.

OpenAI und Anthropic machen mehr als die Hälfte aus. Das ist vermutlich das, was Anleger stört. Anthropic ist derzeit sehr erfolgreich. Bei OpenAI gibt es Zweifel. Es ist lange her, dass OpenAI mit einem neuen Modell Schlagzeilen machte.
Beide Unternehmen haben viel Geld über Kapitalerhöhungen aufgenommen. Die Kassen sind gefüllt, aber längst nicht so gut, dass sie ihren Verpflichtungen gegenüber den Hyperscalern nachkommen können. Das können sie nur, wenn auch der eigene Umsatz steigt.
An Umsatzwachstum mangelt es nicht. Das gilt derzeit vor allem für Anthropic, aber die gesamte Branche wächst schnell. In den vergangenen 12 Monaten lag der Umsatz bei ungefähr 110 Mrd. Dollar. Annualisiert man die letzten verfügbaren Umsatzdaten der Unternehmen, liegt der Umsatz bei 175 Mrd.

Zusammen mit dem Kapital, welches die Unternehmen aufgenommen haben, kann eigentlich kein Zweifel mehr daran bestehen, dass die Firmen ihren Verpflichtungen nachkommen werden. Für Microsoft, Oracle und andere bedeutet dies, dass sie in den kommenden Jahren hohes Umsatzwachstum ausweisen werden. Da die Marge inzwischen positiv ist, wird auch der Gewinn rasch steigen. In den Aktienkursen ist dies nicht widergespiegelt.
Solange Anleger ein negatives Sentiment haben, ist ein Einstieg nicht sinnvoll. Beginnt das Sentiment erst zu drehen, haben vor allem Microsoft und Oracle viel Luft nach oben. Metas Ankündigung, ebenfalls Rechenkapazität für Dritte anzubieten, wurde zunächst positiv aufgenommen. Der Kurssprung wird allerdings wieder verkauft. So sieht eine Trendwende für Hyperscaler nicht aus. Der Moment kommt allerdings näher.
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