Halbleiteraktien schon wieder ein Kauf?
Ausgabe vom 22.07.2026 von Clemens Schmale
Der Sektor korrigiert seit einem Monat und erreichte zwischenzeitlich Bärenmarktgebiet. Gleichzeitig steigen die Gewinnerwartungen weiter. Das ist im Normalfall ein gutes Setup für einen Kauf.
Die Korrektur verlief ähnlich wie der Aufwärtstrend, dynamisch. Bisherige Versuche, den Abwärtstrend zu brechen, sind gescheitert. Aus fundamentalen Gesichtspunkten erscheint derzeit allerdings noch alles in Ordnung zu sein. Die Umsätze des Sektors steigen weiter und liegen aktuell bei annualisiert 1,4 Billionen Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 werden 1,5 Billionen erwartet, für 2027 sogar 1,9 Billionen.
Die Kapazitäten werden massiv ausgebaut. Anleger befürchten, dass damit die früheren Zyklen des Sektors wieder aktuell werden. In Bezug auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis der Branche wurden zyklische Tiefs früher im Bereich von 1,5 bis 4 erreicht. 2023 war eine Ausnahme.

Treffen hohe Produktionskapazitäten auf eine nachlassende Nachfrage, gehen Umsätze schnell zurück. Dabei können zwei Arten von Zyklen unterschieden werden. Es gibt die „normalen“ Zyklen. Dazu gehören alle mit der Ausnahme von 2002 und 2008. In diesen Fällen muss mit einem Umsatzrückgang von 20% bis 30% gerechnet werden.
Als die Dotcom-Blase platzte und die USA im Zuge der Finanzkrise eine schwere Rezession durchmachten, lag der Rückgang bei fast 50%. Auch der KI-Boom wird abflachen. Es ist nicht abwegig, von einem Umsatzrückgang von 40% auszugehen.

Keiner weiß, ob das Umsatzwachstum nur abflacht oder die Umsätze 2026 bereits ein Hoch erreichen. Das ist aber auch nicht wichtig. In beiden Fällen ist der Ausblick schwierig. Im besten Fall erreicht der Umsatz 2027 bei ungefähr zwei Billionen Dollar ein Hoch. Fällt er danach um 40%, muss der Sektor noch ein Drittel korrigieren, um das letzte zyklische Kurs-Umsatz-Tief aus dem Jahr 2023 zu erreichen.
Die Frage ist nicht, ob es noch tiefere Kurse gibt, sondern wann. Micron, SK Hynix und andere versuchen Investoren zu beruhigen. Sie verweisen darauf, dass die Auftragsbücher noch jahrelang nicht abgearbeitet werden können. Zudem werden langfristige Verträge geschlossen, was im Abschwung den Umsatzrückgang dämpfen soll.
Bisher sind Anleger nicht überzeugt. Es liegt an den Unternehmen, Anleger zu überzeugen. Gelingt dies, kann es einen stattlichen Rebound geben. Es wird nichts am mittelfristigen Ausblick ändern. Kommt der Abschwung und gehen Preise für Halbleiter zurück, werden Unternehmen mit Langfristverträgen auf Preisnachlässe beharren. Kommt dem z.B. Micron nicht nach, sucht man sich zukünftig andere Lieferanten.
Der große Abschwung mit tieferen Kursen kommt. Die Frage ist nur, ob es auf dem Weg dorthin nochmals einen Rebound gibt. Das kann man nicht vorhersehen, sondern muss Woche für Woche beurteilt werden. Wundern würde es mich nicht. Dem Sektor bleibe ich vorerst dennoch fern. Das Chance-Risiko-Verhältnis stimmt für mich nicht. Ein Grund ist auch China. Dazu an anderer Stelle mehr.
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