Fed überrascht, Nasdaq 100 bietet Trade in Ausbruchsrichtung an
Ausgabe vom 17.09.2026 von Sven Weisenhaus
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat gestern eine Anhebung ihres Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte beschlossen. Damit liegt die neue Zielspanne bei 3,75 % bis 4,00 %. Laut Angaben der Fed fiel der Zinsentscheid einstimmig aus.
Inflation bleibt hoch
Begründet wurde dieser Schritt damit, dass die Zinserhöhung eine frühere Rückkehr zum Inflationsziel unterstützt. In ihrem Statement zum Zinsentscheid schrieb die Notenbank, dass die Inflation erhöht bleibe. Dabei strich sie die bisherige Formulierung, dass dies zum Teil auf Angebotsschocks zurückzuführen sei.
Zudem erhöhten die Währungshüter ihre Inflationsprognose. Die PCE-Inflation wird nun für Ende 2026 bei 3,7 % erwartet. Im Juni lag die Prognose bei 3,6 %. Für die Kernrate rechnen die Währungshüter aktuell mit 3,4 %. Zuvor waren es 3,3 %.
Interessant: Das Inflationsziel von 2,0 % soll nun erst 2029 erreicht werden, nicht 2028.
Eine weitere Zinsanhebung bis Jahresende
Vor diesem Hintergrund signalisieren die aktualisierten Projektionen eine weitere Leitzinserhöhung bis Jahresende. Insgesamt erwarten 16 der 18 Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) im Rahmen ihrer individuellen Prognosen gemäß dem sogenannten Dot Plot noch mindestens eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte bis zum Jahresende. Damit läge der Leitzins im Mittel dann bei 4,1 % statt bei 3,8 %. Das ist recht eindeutig.
Für die Sitzung Ende Oktober wird der Zinsschritt von den Märkten aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von 57,6 % eingepreist.
Für die Dezember-Sitzung steigt die Wahrscheinlichkeit auf über 90 %.
Diese Aussichten kamen bei den Aktienmärkten zunächst nicht gut an. Kurz nach dem Zinsentscheid gaben die Kurse deutlich nach. Ein Teil der Verluste wurde allerdings bis zum Handelsende aufgeholt.
Kursverluste mehr als wettgemacht
In der vergangenen Nacht setzten sich die Kurserholungen fort, sodass vor allem der Nasdaq 100 mit einer erneuten irren Aufholjagd und Rally inzwischen schon wieder (deutlich) höher steht als vor dem gestrigen Zinsentscheid.

Damit ist es dem technologielastigen US-Aktienindex innerhalb von 3 Tagen zum zweiten Mal gelungen, einen bearishen Ausbruch aus seiner kurzfristigen Seitwärtstendenz knapp zu verhindern (siehe grüne Pfeile im folgenden Chart).

Der erneute Ausbruchsversuch war somit eine Bärenfalle. Solche Fehlsignale ziehen häufig eine starke Bewegung in die entgegengesetzte Richtung nach sich. Insofern ist der aktuelle Anstieg nur folgerichtig. Dennoch sind derartige Bewegungen und plötzlichen Richtungswechsel in V-Form sehr schwer zu traden. Sie lassen viele Trader in eine bittere und teure Falle tappen.
Nasdaq 100 verweigert weiterhin eine Korrektur
In der aktuellen Wochenausgabe des Börsenbriefs „Börse-Intern Premium“ hatte ich die Frage aufgeworfen, wie nachhaltig die gestrigen Kursverluste sein werden und ob insbesondere der Nasdaq 100 nun (wieder nicht) in eine saisonale Korrektur geht. Inzwischen ist klar, wie die Anleger die Zinsentscheidung über Nacht verdaut haben. Der Nasdaq 100 verweigert dadurch weiterhin eine längst überfällige Korrektur. Stattdessen zeigt er nach wie vor das typische „Buy the dip“-Verhalten, das sich schon seit Wochen und Monaten beobachten lässt.
Schade! Ich hatte mir eine Fortsetzung der korrektiven Tendenzen erhofft, da es nach einer bereinigenden Korrektur wieder mehr Schnäppchenkurse gäbe. Was nicht ist, kann zwar noch werden, doch das Chartbild des Nasdaq 100 bleibt vorerst klar bullish. Denn Seitwärtskonsolidierungen gelten grundsätzlich als trendbestätigend. Daher ist aus aktueller Sicht mit bald wieder steigenden Kursen oder auch mit einer Fortsetzung des aktuellen Kursanstiegs zu rechnen.
Prozyklischer Trade in Ausbruchsrichtung
Letztlich kommt es allerdings immer darauf an, in welche Richtung ein Ausbruch (nachhaltig) erfolgt. Beim Nasdaq 100 bietet sich bei einem Ausbruch jedenfalls ein prozyklischer Trade an.
Da sich Seitwärtstendenzen allerdings durch plötzliche Richtungswechsel auf unterschiedlichen Niveaus und Fehlsignale auszeichnen, sollte man einen möglichen Fehlausbruch einkalkulieren!
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de