Die Sau, die aktuell durchs Dorf getrieben wird
Ausgabe vom 15.02.2018 von Sven Weisenhaus
Sie haben sicher schon einmal gehört, dass an der Börse immer wieder „eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird“. Seit dem Kursrutsch der vergangenen Woche ist dies aktuell offensichtlich das Dreigestirn aus Lohn-, Inflations- und Zinsentwicklung. Denn nachdem sich quasi alle Experten und Medien einig waren, dass der jüngste Kurseinbruch an den Aktienmärkten durch den US-Arbeitsmarktbericht und die steigenden Renditen bei US-Anleihen ausgelöst wurde, reagierten die Märkte gestern entsprechend hektisch auf die Veröffentlichung der US-Inflationsdaten.
Vorsorglicher Rückzug einiger Anleger
Exakt mit Bekanntgabe der Zahlen gaben die Kurse um 14:30 Uhr deutlich nach - siehe beispielhaft den folgenden DAX-Chart (die rote Ellipse markiert den Zeitpunkt der Veröffentlichung). Das geschah so plötzlich, dass wohl zu dieser Zeit noch niemand die Zahlen in Gänze gelesen und korrekt gedeutet haben konnte. Stattdessen haben wohl automatisierte Programme auf die Zahlen reagiert und die Aktienmärkte kurzzeitig auf Talfahrt geschickt.

Doch nachdem sich einige Anleger ausführlicher mit den Zahlen beschäftigt hatten, erholten sich die Kurse sehr schnell. Zu Recht, denn die Inflationszahlen waren, genau wie die Arbeitsmarktdaten und der Renditeanstieg zuvor, keine große Überraschung. Sie reihen sich ebenfalls lediglich perfekt in die bisherigen Tendenzen ein.
Starker Monatsanstieg, unveränderte Jahresraten
Zwar sind die Verbraucherpreise im Januar relativ deutlich um 0,5 % gegenüber dem Vormonat angestiegen, was über den Erwartungen lag und daher wohl die Programme zum Verkaufen veranlasst hat,…

… die Jahresrate blieb mit +2,1 % im Vergleich zum Vormonat aber unverändert.

Auch wenn man die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel ausklammert, stiegen die Preise in der sogenannten Kernrate gegenüber dem Vormonat zwar relativ deutlich um 0,3 %, gegenüber dem Vorjahr blieb aber die Jahresrate mit 1,8 % ebenfalls unverändert zum Vormonatswert. - Insofern sind die Inflationsdaten eigentlich relativ harmlos. Sie bestätigen vielmehr den Zinspfad der US-Notenbank Fed und sprechen für eine nächste Zinsanhebung auf dem kommenden FOMC-Meeting im März.
Kursverhalten zeigt Nervosität der Anleger
Offenbar wurde also gestern vorsorglich (und automatisiert) verkauft, weil das Thema Inflation als ein Teil der „Sau im Dorf“ aktuell sehr kritisch beäugt wird. Die Anleger sind derzeit offenbar sehr verängstigt und extrem vorsichtig. Das ist eigentlich ein gutes Zeichen, denn nun könnten die Kurse bald wieder entlang einer Mauer der Angst steigen und damit die Korrektur schnell enden. Das würde zu meiner Erwartung einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau passen.